Schmerzlinderung bei Tumorerkrankungen durch Entgiftungsmaßnahmen und Entspannungstechniken

In unserem Körper befinden sich sog. Schmerzrezeptoren, die Meldungen über Verletzungen oder Gefahren für unsere Gesundheit aufnehmen können. Diese sog. Schmerzsensoren liegen zum Großteil in der Haut, aber auch in inneren Organen. Sie sind unterschiedlich empfindlich und reagieren auf verschiedene Reize, z. B. Druck, Temperatur, Dehnung u. v. m.. Über Nervenzellen werden Schmerzreize weitergeleitet, in der Regel vom Ort der Schmerzentstehung über spezielle Nervenfasern ins Rückenmark. Über bestimmte Schmerzbahnen gelangen die Informationen dann zu verschiedenen Regionen im Gehirn. Im Großhirn entscheidet es sich, wie der Schmerz empfunden und verarbeitet wird.

Die meisten Tumorpatienten leiden unter Schmerzen. Das Schmerzempfinden jedes einzelnen Patienten ist jedoch sehr individuell und wird u. a. von der Art der Tumorerkrankung, des Krankheitsstadiums, der Psyche und vielen anderen Faktoren beeinflusst. Tumorschmerzen werden meist unterschieden zwischen Schmerzen, die direkt durch den Tumor hervorgerufen werden und solchen, die auf die Tumorerkrankung zurückzuführen sind. Nicht alle Tumorerkrankung rufen gleichermaßen Schmerzen hervor.  Besonders wichtig ist es deshalb, die Ursachen der Schmerzentstehung zu untersuchen und zu beobachten, wann und unter welchen Umständen Schmerzen verstärkt auftreten bzw. wodurch sie sich positiv beeinflussen lassen. Eine große Hilfe kann es sein, ein sog. Schmerztagebuch zu führen und genau zu beobachten und zu notieren, wann genau Schmerzen auftreten.

Bei chronischen Schmerzen, wie sie meist bei einem Tumorgeschehen vorkommen, sind vor allem zwei Faktoren sehr problematisch. Zum Einen haben chronische Schmerzen eine direkte Auswirkung auf die psychische Verfassung des Erkrankten. Sie führen zur ständigen Konfrontation mit der Diagnose, zu Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Viele Patienten ziehen sich immer mehr in sich zurück und entwickeln Symptome einer Depression. Meist kommen dann Antidepressiva zum Einsatz, die indirekt positiv auf das Schmerzempfinden wirken können, aber den großen Nachteil haben, schnell abhängig zu machen. Andererseits sind Schmerzzustände vom Körper „erlernbar“. Sich ständig wiederholende Schmerzen führen zu einem intensiveren und immer länger andauernden Schmerzempfinden, da die Schmerzschwelle kontinuierlich sinkt. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, frühzeitig auf das Schmerzempfinden einzuwirken, wenn möglich ohne abhängig machende Medikamente.
 
Tumorschmerzen entstehen einerseits durch Verdrängungserscheinungen, da durch das Tumorwachstum Nachbarorgane verdrängt werden. Bei einer großen Tumormasse ist eine baldige Tumormassenreduktion anzustreben, wenn möglich durch eine Operation, da sie meist weniger belastend für den Organismus ist als z. B. eine Chemotherapie oder Bestrahlung. In manchen Ländern wird es praktiziert, dass eine große Tumormasse halbiert und nicht vollständig entfernt wird. Diese Vorgehensweise wird als tumor-debalking bezeichnet. Bei uns in Deutschland wird diese Vorgehensweise leider nicht (oder höchst selten) angewandt. Kann die völlige Ausräumung des Tumors nicht erzielt werden, wird meist auf einen operativen Eingriff verzichtet. Häufig ist eine völlige, sofortige Entfernung des Tumors nicht anzustreben, da der Körper hierdurch doch eine wichtige „Entgiftungsstation„ verliert. 

Die Ernährungswissenschaftlerin Frau Dr. Cousmine konnte bereits vor Jahren nachweisen, dass ein Tumor ein vielfaches mehr an Giftstoffen aufnehmen kann - im Gegensatz zu unseren gesunden Zellen, die meist irreparabel geschädigt werden können - und als unsere „zweite Leber“ fungiert. Ein Tumor ist also praktisch in der Lage, ähnlich wie unser großes Entgiftungsorgan die Leber, Giftstoffe zu neutralisieren. Wird demnach der Tumor vollends entfernt, verliert unser Körper eine wichtige Entgiftungsmöglichkeit. Wird also eine Operation mit vollständiger Tumorentnahme angestrebt, so sollte vorher unbedingt intensiv entgiftet werden. Wenn dies nicht geschieht, ist es als sehr wahrscheinlich anzusehen, dass der Körper erneut Tumore bilden wird, um seiner Entgiftungsfunktion wieder optimal nachgehen zu können.

Weiterhin können Schmerzen durch ein Zuviel an Säuren in unserem Organismus entstehen. Zu beobachten ist dies z. B. beim Muskelkater, hier macht sich eine Übersäuerung direkt bemerkbar. Sind wir gesund, so ist unser Körpergewebe, ebenso wie Blut, Lymphe, Speichel und Hirnwasser leicht basisch. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Gewebe bei Krebspatienten stark übersäuert ist (pH-Wert 6,8 – 7,0, teils sogar noch darunter). Wird ein anfallendes Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut normalerweise rasch ausgeglichen, so geschieht dies bei chronisch entzündetem Gewebe nicht mehr in dem erforderlichem Maße. Für Krebszellen ist ein saures Milieu ideal, da sie sich hervorragend an übersäuertes Gewebe anpassen und dies sogar noch als Schutzmechanismus nutzen können. Unsere Abwehrzellen hingegen sind extrem säureempfindlich und stellen schon bei einem pH-Wert von 7,2 sämtliche Aktivitäten ein. Gerade aus den eben aufgeführten Gründen ist eine intensive Entgiftung bei Tumorerkrankungen unerlässlich. Intensive Entgiftungsmaßnahmen unterstützen wirkungsvoll unsere Selbstheilungskräfte und wirken sich dazu noch positiv auf das Schmerzempfinden aus. 


Bei meinen Recherchen zum Thema Schmerzlinderung bin ich, mehr als nur einmal, mit verschiedenen Entspannungstechniken konfrontiert worden, die einen sehr positiven Effekt auf das Schmerzempfinden haben können. 

Empfundener Schmerz kann mächtiger sein als alle anderen Sinneseindrücke und unser ganzes Fühlen und Denken in diesem Moment beeinflussen. "In einem Meer von Schmerz ertrinken die einen, die anderen lernen, darin zu schwimmen". Diese Aussage beeindruckte mich ebenso wie ein Satz eines Patienten, der berichtete, er habe "dem Schmerz mit der Macht seiner Gedanken, seiner Gefühle Paroli geboten".

Kann es wirklich sein, dass durch Gedanken, Gefühle und durch einfaches Entspannen Schmerzen positiv beeinflusst werden können? Und welche Mechanismen laufen dabei eigentlich ab? Wie lässt es sich erklären, dass z. B. Fakire kaum Schmerzen empfinden, wenn sie sich auf ein Nagelbrett legen? Verschiedene Nervenzellen sind für die Verarbeitung von Schmerzempfindungen zuständig. Sie gehören dem limbischen System an, einem Ort, wo die Gefühle, das Gedächtnis und auch die Empfindungen des Schmerzreizes "produziert" werden. Diese Nervenzellen entscheiden, darüber, wie der Schmerz empfunden wird. Die Psychologieprofessorin Catherine Bushnell, Schmerzforscherin an der McGill-Universität im kanadischen Montreal bemängelte schon vor Jahren, dass die Ärzte sich vor allem auf die Schmerzkontrolle von aussen konzentrieren und die körpereigenen  Möglichkeiten der Schmerzkontrolle völlig ausser acht lassen. Enspannungstechniken bieten dem Patienten die Möglichkeit, den Schmerz als nicht mehr so relevant wahrzunehmen oder ihn ganz zu ignorieren.

Entspannungstechniken bewirken eine zusätzliche Herabsetzung des Schmerzempfindens. Zum einen durch direkte Entspannung der Muskulatur und zum anderen durch Herabsetzung der Schmerzaktivität im Gehirn, indem es durch z. B. Meditation zu einer vermehrten Produktion körpereigener, opioidähnlicher Substanzen kommt. Schmerzen werden als nicht mehr so gravierend erlebt. Wissenschaftler an der Universität Ohio wiesen zudem bereits 1985 nach, dass bei Personen, die Entspannungsübungen machten, eine signifikante Erhöhung der Fresszellenaktivität nachzuweisen war. Ein Hinweis darauf, dass Entspannungstechniken einen direkten Einfluss auf das Immunsystem haben können.

Meditation
Der Begriff Meditation leitet sich ab von dem lateinischen Wort meditatio, was soviel heisst wie "das Nachdenken über". Durch Konzentrationsübungen in der Meditation soll sich der Geist beruhigen und eine generelle, starke Entspannung erreicht werden. Man unterscheidet hierbei zwischen der kontemplativen, der sog. passiven Meditation, die im Sitzen ausgeübt wird und der aktiven Meditation, die mit Bewegung oder auch lautem Rezitieren einhergehen kann. Wenn wir von Meditation sprechen, beziehen wir uns zumeist auf die kontemplative Meditation, die bildlichen Ausdruck durch den sitzenden, meditierenden Buddha findet. Ein Vorteil der Meditation zeigt sich auch darin, dass Meditierende Schmerzen nicht nur während der Meditation als leichter empfunden haben, sondern auch in den Phasen zwischen den Sitzungen. Meditation scheint also eine grundsätzliche Auswirkung auf das Schmerzempfinden zu haben.

 
Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
Edmund Jacobson, (1888 - 1983), amerikanischer Arzt und Physiologe war Begründer der Progressiven Muskelentspannung und des Biofeedback. Im Rahmen seiner Studien an der Harvard University kam er zu der Erkenntnis, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen übermässiger muskulöser Anspannung und körperlichen und seelischen Erkrankungen gibt.  Eine Verkürzung der Muskelfasern geht mit Spannung einher. Entspannung hingegen führt zu einer Verminderung der Erregungszustände und hat direkten Einfluss auf die Aktivität des Zentralen Nervensystems in Bezug auf das Schmerzempfinden. 

Biofeedback
Biofeedback bezeichnet eine Messung, bei der dem Patienten durch Töne und optische Darstellungen (Zeiger, Balkendarstellung auf einem Bildschirm) seine Körperfunktionen (z. B. Puls) aufgezeigt werden. Der jeweilige Zeigerausschlag oder Tonklang zeigt dem Probanden an, wie hoch sein innerer Erregungszustand ist und dient als Rückkopplung seiner sympathikotonen Funktion.

Autogenes Training
Der Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz (1884 - 1970) entwickelte das Autogene Trainig, auf Basis seiner eigenen Hypnose- und Suggestionsbehandlungen. Das Wort "autogen" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "selbst hervorgerufen". Schultz ging davon aus, dass jeder Mensch zur  autogenen Suggestionen fähig ist und diese mit objektiven Methoden auch nachgewiesen werden können. Durch Suggestion bestimmter Formeln, z. B. "Meine Beine sind ganz schwer" gelangt der Körper in einen tiefen Entspannungszustand, der sich unmittelbar durch erniedrigten Pulsschlag, verlangsamten Herzschlag und andere Entspannungszeichen bemerkbar macht. Mithilfe des autogenen Trainings können Schmerzempfindungen direkt positiv beeinflusst werden. 
(weiterführende Informationen unter www.entspannungsverfahren.com)

Yoga
Die ASCO - American Society of Oncology - berichtete auf ihrem Kongress von  Studienergebnissen des renommierten M. D. Anderson Cancer Center in Houston. Im Rahmen einer Studie, wurde eine Anzahl von Patientinnen durch Yoga auf die Strahlentherapie vorbereitet, die anderen Patientinnen unternahmen nichts. Das Resultat war eindeutig. Patientinnen, die Yoga praktizierten fühlten sich weniger erschöpft, schliefen besser und pflegten wieder vermehrt soziale Kontakte. Am Ende der Studie wurde eine signifikante Besserung der körperlichen Funktionen angegeben, ein nicht zu unterschätzender Zugewinn, geht doch eine Krebserkrankung meist mit grossem Stress und eingeschränkten Körperfunktionen einher.

Qi Gong
Der Traditionellen Chinesischen Medizin zufolge, entstehen Schmerzen durch Stauungen im Energiefluss, sowohl der aktiven Energie (Qi) als auch der materiellen Energie (Xue ), oder durch Energieleere. Qi Gong ist eine aus China stammende Lebensführung/Lebenskraft, basierend auf chinesischen Heilmethoden (TCM), und beeinflusst von Kampfkunst und Meditation. Durch die verschiedenen, den gesamten Körper erfassenden, Bewegungsübungen wird die Muskulatur gelockert und entspannt, so dass Qi und Xue wieder fliessen können. Verspannungen, ausgelöst durch eingenommene Schonhaltung, verringerten sich.

"Fast alles, was Du tust, ist letzten Endes unwichtig. Aber es ist wichtig, dass Du es tust!"
Mahatma Gandhi